Fake News zum Coronavirus kostet Hunderten das Leben

Würden Sie Ihre Corona-Symptome mit Kamelurin oder Bleichmittel kurieren, bloß weil irgendwo irgendjemand behauptet hat, es könnte die Virusinfektion bekämpfen? Wir hoffen, nicht!

Ein Team internationaler Wissenschaftler Australien, Japan, Thailand und weiteren Ländern hat Daten aus dem Zeitraum vom 31. Dezember 2019 bis zum 5. April 2020 zusammengetragen, um den Effekt von Falschinformationen (heute sagt man ja „Fake News“) zum Coronavirus im Internet zu untersuchen. In ihrer im „American Journal of Tropical Medicine and Hygiene“ veröffentlichten Studie konnten die Forscher mehrere Extremfälle klar benennen.

In Indien zum Beispiel wurde kursierte die Information, der Verzehr von Kuhurin beziehungweise Kuhdung könnte einer Virusinfektion vorbeugen. Ähnlich auch in Saudi-Arabien, wo Kamelurin (mit Limone – wahrscheinlich des Geschmackes wegen) als Heil- oder Präventionsmittel angepriesen wird. Hochkonzentrierter Alkohol gilt in anderen Regionen als Wundermittel gegen SARS-CoV-2 – den Zahlen der Wissenschaftler zufolge starben rund 800 Menschen allein am Konsum von Methanol, 60 erblindeten und 5 900 mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Auch die soziale Komponente wird in der Studie berücksichtigt, nämlich die Stigmatisierung in der Gesellschaft. Es beginnt bei verbaler und körperlicher Gewalt (vor allem gegenüber Menschen asiatischer Herkunft, aber auch Mitarbeitern im Gesundheitssystem) und geht bis zu Selbstmorden von Infizierten, die aufgrund gesellschaftlicher Ächtung ihre Erkrankung als „Schande“ empfanden.

Die Wissenschaftler haben insgesamt 2 311 Berichte über Gerüchte, Stigmata und Verschwörungstheorien in 25 Sprachen aus 87 Ländern untersucht. Die Behauptungen bezogen sich auf Krankheit, Übertragungswege und Mortalität (24 %), Kontrollmaßnahmen (21 %), Behandlung und Heilung (19 %), Krankheitsursache einschließlich des Ursprungs (15 %), Gewalt (1 %) und Verschiedenes (20  %). Von den 2.276 Berichten, für die Textauswertungen verfügbar waren, waren 1 856 Behauptungen falsch (82 %).

Das Fazit der Studie ist klar: Regierungen und internationale Organisationen müssen Fake News zum Coronavirus im Internet verstärkt kon­trollieren, diese klar als Fehlinformationen kennzeichnen und richtige, das heißt auf Tatsachen beruhende Informationen gemeinsam mit den Social Media Plattformen verbreiten und dort etablieren.

Weitere Informationen: The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene