Gewusst? Wonach werden Krankheiten, Erreger und Pandemien benannt?

Wie kommen Krankheiten, Krankheitserreger und Pandemien eigentlich zu ihrem Namen. Wonach ist das Ebola-Virus und Covid-19 benannt und was hat die Spanische Grippe mit Spanien zu tun?

Tatsächlich gab es unmittelbar nach der Entdeckung und der ersten Beschreibung von SARS-CoV-2 unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Debatte um die Benennung des Virus. Dabei stand der Vorschlag im Raum, es nach dem Ort zu benennen, an dem es zuerst in Erscheinung getreten war: in der chinesischen Stadt Wuhan. So wurde das neu entdecke Virus zunächst als WH-Human-1 coronavirus bezeichnet, die Buchstaben WH stehen als Abkürzung für Wuhan.

Diese Benennungsstrategie wurde in der Vergangenheit vielfach verwendet, sodass sich geografische Namen seit der Antike in den Bezeichnungen für Krankheitserreger oder Krankheitsausbrüche finden: Die Attische Seuche wütete etwa 500 Jahre vor Christus in Athen, der Englische Schweiß war eine bis heute ungeklärte Erkrankung, die im 15. und 16. Jahrhundert vor allem in England auftrat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkrankten weltweit Menschen an der sogenannten Spanischen Grippe (die in Deutschland auch als Flandernfieber bezeichnet wurde) und in jüngerer Vergangenheit machten MERS, das Middle East Respiratory Syndrome, und das Zika-Virus Schlagzeilen. MERS trat zuerst im Mittleren Osten (engl. ›Middle East‹) auf, das Zika-Virus ist nach dem Zika Forest benannt, einem Wald in Uganda, wo es zuerst nachgewiesen werden konnte. Das Ebola-Virus schließlich verdankt seinen Namen einem Fluss. Andere Erreger und Krankheiten sind nach Tieren benannt, die im Zusammenhang mit der Erkrankung oder ihrer Verbreitung gesehen werden, beispielsweise die Vogelgrippe oder die Schweinegrippe. Auch Personengruppen mussten schon Namenspate für Erkrankungen stehen, wie etwa im Fall der Legionärskrankheit.

Dass das Virus, welches eine Covid-19-Erkrankung auslöst, nun doch nicht nach der Stadt Wuhan benannt wurde, ist auf das Einwirken der Weltgesundheitsorganisation WHO zurückzuführen. Diese hatte schon 2015 eine Vorgabe veröffentlicht, in der angemahnt wird, auch die populären Bezeichnungen einer Krankheit oder ihres Erregers nicht von Ausdrücken wie Orts- oder Tiernamen abzuleiten. Ein Grund, der die WHO dazu bewogen hat, von solchen oft spontanen Benennungen Abstand zu nehmen, sind negative Effekte, die mit einem regional inspirierten Virusnamen einhergehen. Ganze Regionen und die Menschen, die in ihnen leben, sehen sich plötzlich mit einem tödlichen Virus assoziiert und es kam sogar schon zu rassistisch motivierten Übergriffen. Das hat US-Präsident Donald Trump jedoch bisher nicht davon abgehalten, von SARS-CoV-2 als dem chinesischen Virus zu sprechen.

Anders sieht der Fall wohl bei Benennungen von Krankheiten nach bestimmten Personen aus. Meistens treten die Namen jener Menschen in den Krankheitsbezeichnungen auf, die an deren Entdeckung oder Erforschung mitgewirkt haben. Bekannte Beispiele sind etwa die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder die Autoimmunerkrankung Morbus Crohn, benannt nach Hans Gerhard Creutzfeldt und Alfons Maria Jakob bzw. Burriel Bernhard Crohn. Vermutlich dürfte die Benennung eher zu Ehren, nicht zum Schaden der Forscherinnen und Forscher erfolgen; um einen einheitlichen wissenschaftlichen Standard herzustellen, sollen aber auch solche Benennungen laut der WHO in Zukunft vermieden werden.

Der Ausdruck Antoninische Pest bezeichnet keine spezifische Krankheit, sondern ist die historische Bezeichnung für eine pandemische Krankheitswelle im zweiten Jahrhundert nach Christus. Namenspate ist Marcus Aurelius Antoninus, bekannt als römischer Kaiser Mark Aurel. Dieser hatte mit der Entdeckung oder Behandlung der Erkrankung nichts zu tun, ihr Ausbruch fiel aber in seine Regierungszeit.

Dass die Spanische Grippe als spanische Grippe in die Geschichte einging, ist übrigens einem Zufall geschuldet: Aufgrund des Ersten Weltkrieges herrschten in vielen Ländern strenge Einschränkungen der Pressefreiheit und Zeitungen durften kaum frei berichten. Darum blieben die ersten Fälle der neuen Erkrankung in den USA fast unbeachtet; erst als Todesfälle in Spanien auftraten, wo die Zensur schwächer war, wurde über die Pandemie berichtet.

(Quelle: Gesellschaft für deutsche Sprache – GfdS)