Stimmen: Infektion mit dem Coronavirus – Erfahrungsbericht eines PKD-Patienten (Zystennieren) nach Nierentransplantation

Ich gehöre mit 60 Jahren und als Zystennieren-Patient (transplantiert im Jahr 2011) zur Risikogruppe.

Einen Tag bevor die weltweite Ausbreitung des CORONA-Virus am 11. März 2020 von der WHO zu einer Pandemie erklärt wurde, hatte ich mich bei einem Treffen mit meiner Schwester infiziert. Sie hatte drei Tage zuvor Kontakt zu Skifahrern, die am Samstag, den 7. März 2020, aus Ischgl heimgekehrt waren und ließ sich nach Symptomen testen. Freitag, den 13. März, erhielt sie die Nachricht, dass ihr Test positiv war und meldete mich dem Gesundheitsamt als Kontaktperson. Damit ordnete das Gesundheitsamt ab diesem Freitag für mich und meine Familie eine sofortige 14-tägige häusliche Quarantäne an.

Erste Symptome traten bei mir dann auch an diesem Freitag gegen Abend mit Halsschmerzen und Hustenreiz auf. Am Sonntag kamen heftige Kopfschmerzen dazu, sodass ich mich am Montag beim Hausarzt meldete und mich auch testen ließ. Zwei Tage später, am Mittwoch den 18. März, erhielt ich die Bestätigung, dass meine Probe positiv war. Ich war an Corona erkrankt.

Am selben Tag habe ich mich mit der mich betreuenden Ärztin des Transplantationszentrums in Verbindung gesetzt und mich über die Verhaltensweisen bei bestätigter Corona Infektion informiert. Die erste Information war, dass zum damaligen Stand keine erhöhten Risiken für Transplantierte bzw. Patienten mit Immunsuppression bekannt sind und die Dosierung der Medikamente unverändert fortgeführt werden soll.

Neben den bekannten Hygiene- und Social Distancing-Maßnahmen ist das oberste Gebot die Lunge zu unterstützen, d.h. darauf achten, dass 1.) die Raumluft nicht zu trocken ist und 2.) die Virenlast im Rachen, d.h. die Menge der Viren im Rachenraum, reduziert wird. Zum Beispiel wurde empfohlen, alle halbe Stunde heißes Wasser/Tee zu trinken, damit Viren in den Magen gespült werden (wo sie vernichtet werden). Oder auch Spülen mit Salzwasser oder Mundwasser, außerdem Vitamine zur Stärkung, Obst, frisches Gemüse und keine Überanstrengungen oder intensiven Sport. In dieser frühen Phase der Krankheit geht es im Wesentlichen darum zu vermeiden, dass die Viren vom Rachenraum tief in die Lunge gelangen.

Zusätzlich wurde berichtet, dass bei den ersten Infektionen in Deutschland beobachtet wurde, dass bei Patienten der Geschmackssinn verloren geht. Den Verlust des Geschmacksinns für sechs Tage und die allmähliche Besserung über weitere vier Tage kann ich sowohl bei meiner Schwester, als auch bei mir und bei meinen Familienangehörigen, die in der Folge auch infiziert wurden, bestätigen. Weitere Symptome neben Hustenreiz und Halsschmerzen, waren Müdigkeit/Abgeschlagenheit und Schnupfen. Die Körpertemperatur erhöhte sich nur mäßig und stieg während der gesamten Infektionszeit auf maximal 38 Grad.

Ich war wenig belastungsfähig und sehr schnell erschöpft, aber ich konnte sehr viel schlafen. Die Berichte über den internationalen und nationalen Verlauf der Infektionen hatten wir anfangs sehr interessiert verfolgt. Sie haben uns dann aber zunehmend belastet, sodass wir uns Nachrichten, Sondersendungen und aktuelle Meldungen nur noch vereinzelt angesehen haben.

Im Verlauf der Infektion gab es nach einer vermeintlichen Besserung der Symptome wieder Rückschläge, aber nach zweieinhalb Wochen Quarantäne und drei Tagen ohne Symptome wurde die Quarantäne Ende März vom Gesundheitsamt beendet. Die ersten zwei Aprilwochen habe ich über gemäßigte sportliche Aktivitäten (Nordic Walking, leichte, kurze Radtouren und Gymnastik) meine Konstitution wieder aufgebaut und fühle mich seit den letzten zwei Wochen wieder gut belastbar. Am Donnerstag, den 23. April, bin ich dem Aufruf einer Uniklinik für eine Blutspende nach SARS-CoV-2-Infektion zur Unterstützung eines Forschungsprojekts gefolgt und habe mich über den aktuellen Kenntnisstand zu Corona informiert.

Es scheint im Augenblick so zu sein, dass bei sehr schweren Verläufen bei Intensiv-Patienten eine überstiegene eigene Immunabwehr des Körpers eine große Problematik darstellt. D.h. in diesen sehr ernsten Fällen wird teilweise als Therapie das Immunsystem, das sich gegen den eigenen Körper wendet, supprimiert.

Bei der Frage, wie zuverlässig und sinnvoll aktuelle Antikörpertests sind, wurde empfohlen, im Augenblick mit dem Kauf von für die Allgemeinheit angebotenen Tests noch etwas zu warten, bis gesicherte Erkenntnisse über deren tatsächliche Qualität vorliegen. Wenn aber ein Antikörpertest zur Zeit gewünscht wird, dann sollte dieser am ehesten in Abstimmung mit den Hausärzten/Nephrologen und den Laboren, mit denen diese zusammenarbeiten, erfolgen, auch wenn dies zur Zeit wohl noch kostenpflichtig für den Patienten ist.

Als die ersten Meldungen Anfang des Jahres über die Corona-Infektionen in Asien bei uns veröffentlicht wurden, dachte ich, damit darf ich mich auf keinen Fall infizieren. Ich werde alles unternehmen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Dass ich dann der erste positive Patient bei meinem Hausarzt und mutmaßlich auch als Transplantierter meiner Klinik war, hat mich geschockt und ich konnte es kaum fassen. Aus heutiger Sicht bin ich sehr dankbar über den relativ milden Verlauf und denke, dass mir meine relativ gute körperliche Konstitution zu Beginn der Infektion und die Möglichkeit mir viel Ruhe zu gönnen, entscheidend dazu beigetragen haben.

Stefan Loß

(Quelle: PKD Familiäre Zystennieren)