#blankebedenken: Hausärzte ziehen blank gegen Engpass

Deutsche Hausärzte fordern seit Wochen einen besseren Schutz, an der nötigen Ausrüstung wie Masken, Handschuhe oder Kittel mangelt es in vielen Arztpraxen. Um die Aufmerksamkeit auf dieses bislang eher halbherzig gelöste Problem zu verstärken, ziehen die Ärzte nun blank!

Auf der Internetseite der Kampagne heißt es: “Um Sie sicher behandeln zu können, brauchen wir und unser Team Schutzausrüstung. Wenn uns das Wenige, was wir haben, ausgeht, dann sehen wir so aus.”

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In der dazugehörigen Petition heißt es:

Sehr geehrte Gesundheitsminister/innen der Länder,

Hausärzt/innen und ihre Praxisteams sind in Deutschland langjährige und vertraute Ansprechpartner, Begleiter und Fürsprecher ihrer Patient/innen.

In der aktuellen Krise hat man uns lange alleine gelassen. Um trotz fehlender Schutzausrüstung unsere Patient/innen zu versorgen, haben wir uns selbst geholfen. Wir haben Schutzschilde gebastelt, Masken und Kittel genäht oder nähen lassen. Wir haben Fieberambulanzen für potentiell-infektiöse SARS-CoV-2-Patienten gegründet oder Infektsprechstunden in den Praxen eingerichtet. Wir sind für unsere Patient/innen da: persönlich, oder – zu unserem und ihrem Schutz – am Telefon, via Email oder Videosprechstunde.

Insbesondere die Versorgung von Pflegeheimen und Wohneinrichtungen wollen wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen! Wir haben die hierfür notwendige Expertise, denn nicht nur in Krisenzeiten treten wir in der ambulanten Versorgung für ein würdiges Leben und auch Sterben unserer geriatrischen oder komplex erkrankten Patient/innen ein. Die uns langjährig bekannten Patient/innen lassen wir auch in schwierigen Zeiten nicht allein.

Auch in der aktuellen Situation müssen ambulante Versorgungskonzepte daher durchdacht sein und mit uns abgesprochen werden. Zwangsverpflichtungen, die über Jahre gewachsene Strukturen und Verbindungen zwischen Ärzt/innen, MFAs, Patient/innen und Pflegeheimen willkürlich aufbrechen, lehnen wir ab. Das selbstgewählte Arzt-Patienten-Verhältnis ist ein hohes Gut und gilt auch und im Besonderen für ältere und schwerkranke Patient/innen.

Sollte es zu Versorgungsengpässen durch Covid-19-Ausbrüchen in Heimen oder durch Personalmangel kommen, erwarten wir und unsere Patient/innen, dass wir bei der Koordination der Versorgung aktiv teilhaben und beteiligt bleiben.

Wir appellieren an Politiker/innen: Lassen Sie uns an dem vom Deutschen Ethikrat geforderten Wettbewerb der Ideen mitwirken und bestimmen Sie die ambulante Versorgung gerade in Krisenzeiten nicht über unsere Köpfe hinweg!
Begründung
Wenn die etablierten Strukturen in der ambulanten Versorgung versagen, dann treten wir zur Seite.

So lange das nicht der Fall ist, fordern wir:

• Unterstützen Sie unsere Arbeit durch die Bereitstellung von Schutzausrüstungen und gesetzlichen Regelungen, die uns in unserer Arbeit unterstützen und nicht behindern. Konkret fordern wir hier u.a. die Fortführung der Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit für maximal 14 Tage per Telefon.

• Lassen Sie uns da, wo wir schon lange vor SARS-CoV-2 waren: an der Seite unserer Patient/innen. Das Aufbrechen langjährig gewachsener Beziehungen zwischen Ärzt/innen und Patient/innen, aber auch deren Pflegende, muss gerade in Krisenzeiten eine Ultima ratio sein.

• Binden Sie Hausärzt/innen, unsere Interessensvertreter/innen, ambulant Pflegende und Patientvertreter/innen in Krisenstäbe und Beratergremien ein, um die nötige Expertise für die ambulante Versorgung sicherzustellen.

• Berücksichtigen Sie, dass wir Weisungen zu klinischen Entscheidungen nach unserer Berufsordnung nicht von Nicht-Ärzt/innen annehmen dürfen. Das Zulassen von menschlicher Nähe, ebenso wie Hausbesuche und Visiten bei sterbenden, depressiven und einsamen Menschen ist in unserem Fach, das auf Beziehungen basiert, auch eine klinische Entscheidung.

• Maßnahmen wie Besuchsverbote in Pflegeheimen, die flächendeckende Einstellung von Rehabilitationsmaßnahmen oder Kontaktsperren müssen zeitlich begrenzt sein, fortlaufend auf ihre Angemessenheit überprüft werden und dürfen nicht ausschließlich auf die Senkung von Todesursachenstatistiken fokussieren. Sie müssen auch das Wohlergehen, die Autonomie und die Wünsche der hiervon betroffenen Risikogruppen berücksichtigen.

Wir sind da. Auch in der Krise. Wenn man uns lässt. Ihre Hausärzt/innen mit ihren Praxisteams.