Notfallplan der Dialyse-Versorgung macht Patienten Angst und gefährdet Ihre Gesundheit!

Am 26.03.2020 schreibt das Deutsche Ärzteblatt im Bericht – Notfallplan soll Dialyse-Versorgung während der Pandemie sicherstellen: „Zur Sicherstellung der Dialyse-Versorgung sollen die Einrichtungen laut KBV flexibel auf bestimmte Notsituationen reagieren können. Hierzu ist die „QS-Vereinbarung zu den Blutreinigungsverfahren gemäß § 135 Abs. 2 SGB V“ außerkraftgetreten.“

Damit ist auch die Dialysedauer pro Woche von mindestens vier Stunden sowie die Dialysefrequenz von dreimal pro Woche, derzeit nicht bindend. Hierzu schreibt der Dialyseanbieter KFH seinen Patienten: „Sie alle wissen, wie gefährlich die aktuelle Coronaviruskrise ist und mit welchen weitreichenden Folgen diese Krise für uns alle verbunden ist. Weil das so ist und damit wir Sie vor einer Infektion bestmöglich schützen können, müssen wir auch Qualitätsstandards in der Dialyse abwägen gegen Ihren bestmöglichen Schutz vor einer Infektion. Das bedeutet konkret, dass wir in einzelnen Zentren die Dialysezeiten eventuell auch unter 4 Stunden verkürzen müssen.“ Weiter liest man: „Natürlich, und dazu stehen wir, sind längere Dialysezeiten langfristig besser für Ihr gesundheitliches Wohlergehen. In der aktuellen Krise müssen wir die Dialysezeiten aber abwägen gegen mögliche drohende Risiken. So kann es erforderlich sein, dass wir zwischen den Dialyseschichten eines Tages größere zeitliche Abstände legen müssen, damit Dialyseschichten sich nicht überschneiden. Damit vermeiden wir Ansteckungsgefahren zwischen den Patienten der einzelnen Dialyseschichten. Zusätzlich kann es sein, dass krisenbedingt derzeit weniger Pflegekräfte zur Verfügung stehen. Solche Sachverhalte können dazu führen, dass wir zu Ihrem Schutz Dialysezeiten verkürzen müssen.“ Andere Dialyseanbieter argumentieren ähnlich.

Spektrum Dialyse möchte hierzu aus Patientensicht folgende Punkte darstellen. Sicher ist die Patientenseite auch im eigenen Interesse froh, dass alle Dialyseanbieter einen Notfallplan für die Sicherstellung der Patientenversorgung besitzen. Jedoch darf dies nicht dazu führen, dass sich in Zeiten, wo eine stabile Gesundheit benötigt wird, sich die Dialysequalität reduziert. Spektrum Dialyse hat in seiner Information vom 15.03.2020 „An alle Patienten in der Dialyseversorgung aufgrund der aktuellen Corona-Virus Situation“, die in Absprache mit der Uniklinik, Gesundheitsministerium sowie der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes entstanden ist, explizit darauf hingewiesen: „Dialysieren Sie weiter Ihre volle Dialysezeit und achten Sie auf Ihr Trockengewicht. Nicht auf die Idee kommen, den Virus dafür zu nutzen, um schneller nach Hause zu kommen. Nur wenn Sie gut dialysiert sind, geht es Ihnen gut und das Immunsystem ist gestärkt. Eine trockene Lunge ist zudem weniger für Viren empfänglich, als wenn man ständig, wegen hoher Gewichtszunahme überwässert ist.“ So auf Anraten der Ärzteschaft dargestellt.

Spektrum Dialyse möchte im Sinne der Patienten verdeutlichen, dass es sich bei der Dialysetherapie um eine maschinell lebenserhaltende Therapie handelt, nicht um eine sportliche Freizeitaktivität. Eine Reduzierung der Dialysezeit oder Verringerung der Dialysefrequenz in der Woche beinhaltet über längere Zeit Einschnitte in die Verschlechterung der Lebensqualität dieser Patienten. Besonders in dieser Krisensituation darf man auf diesem Weg keine zusätzliche Verschärfung der Gesundheit herbeiführen. Einige Patienten berichten jetzt schon in der Gruppe „Nierenkrank“ auf Facebook (3600 Mitglieder) von Verringerung der Stundenzahl, Reduzierung auf zweimal die Woche, wie auch Verlegungen aus klinischen Dialysen zu niedergelassenen. Dies zu einer Zeit, wo Gesundheitsminister Span „noch“ von der Ruhe vor dem Sturm spricht und RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler vergangene Woche in einem Pressebriefing sagt: „Wenn man sich eine Kurve vorstellt, befinden wir uns links unten.“

Auch die Corona-Krise setzt den Leitsatz „Dialysezeit = Lebenszeit“ nicht außer Kraft! Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Dauer der einzelnen Dialysebehandlung auf der einen Seite und der Lebenszeit und der Lebensqualität auf der anderen Seite. Giftstoffe aus den Körperzellen benötigen unterschiedlich viel Zeit, um durch die Dialyse aus dem Körper eliminiert zu werden. Kalium, Kreatinin und Harnstoff lassen sich schnell aus dem Körper entfernen. Andere Giftstoffe – wie z.B. das Phosphat – benötigen länger. Gerade an dieser Stelle verschärft sich, bei schlechter Dialysequalität, die Situation auf das kardiovaskuläre Gefäßsystem der Patienten. Hierzu schreibt das Deutsche Ärzteblatt am 25.03.2020 „COVID-19: Dialysepatienten laut Fachgesellschaft Risikogruppe“: „Nach Ansicht der DGfN stehen Nierenpatienten – und insbesondere Dialysepatienten – aber nicht nur in der Reihe der gefährdeten Patientengruppen, sondern haben im Gegensatz zu den anderen Patientengruppen ein kumulatives Risiko, weil sie mehrere bereits identifizierte Komorbiditäten – und Risikofaktoren vereinen, insbesondere Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus.“ Weiter schreibt das Deutsche Ärzteblatt am 26.03.2020: „Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion und eine deutlich höhere Sterblichkeit.“

So müssen Grunderkrankung, Zusatzerkrankungen und Alter auch jetzt in der Corona-Krise eine Rolle spielen, wenn man an eine Therapiereduzierung denkt. Denn der Körper und das Immunsystem dürfen bei einer auftretenden Corona-Infektion nicht zusätzlich geschwächt sein. Hier würden sich ärztlicher Rat an die Patienten und tatsächliches Handeln einschneidend widersprechen.

Ebenso erklärt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie: „Dialysepatienten können nicht zu Hause bleiben, sondern müssen drei- bis viermal pro Woche mit dem Transport ins Dialysezentrum und haben damit Kontakt mit anderen, möglicherweise infizierten, Menschen.“ So durchlebt diese Risikogruppe nicht nur mehrmals die Woche die Angst vor dieser Situation, sondern auch vor dem Virus und nun zusätzlich vor schlechterer Dialyse-/wie Lebensqualität. Mit diesen Ängsten werden sie dann auch noch auf sich belassen. Zeit zur psychosozialen Betreuung fehlt besonders jetzt.

Patienten, die die Entwicklungen verstehen, fühlen sich diesen Durchführungen schutzlos ausgesetzt. Neben dieser Besorgnis erleben immer mehr Patienten, dass benötigte Medikamente nicht lieferbar sind. Auch hier entsteht Verzweiflung! Man kann eine Patientengruppe emotional nicht teils, durch die Notfallplanung, so überlasten! Deswegen ist es bedeutsam, dass Zimmergemeinschaften jetzt nicht getrennt werden, die Patienten haben Freundschaft geschlossen, die besonders jetzt in der Gemeinschaft beruhigt und stützt! Bitte ermöglichen Sie das Mit-/und Füreinander!

So eine Reduzierung der Dialysequalität kann wirklich nur eine Ausnahmesituation darstellen. Man darf die Lösung in der Krise nicht beim schwächsten Glied suchen, sondern muss diese in einer anderen Art der Betreuung finden. Dass dies möglich ist, haben bisher alle Influenza-Pandemien (je nach dem, wie man Zahlen interpretiert) in der Versorgung, die in der Tragweite und beim Krankenstand auf Personalseite, stürmischer waren, gut gezeigt!

Spektrum Dialyse erkennt, dass nun täglich die Situation neu bewertet werden muss. Hierzu wurden die Ängste der Betroffenen dargestellt, die bei Entscheidungen unbedingt Berücksichtigung finden müssen. Es geht der dringende Appell an alle Verantwortlichen im Dialysebereich, von einer Reduzierung der Dialysezeit oder Verlängerung der Dialyseintervalle in den Tagen, im Sinne ihrer Patienten Abstand zu nehmen. Es kann nur eine Ausnahmesituation für einzelne Tage sein und nicht über Wochen praktiziert werden. Dies wäre eine unheilsame Konstellation, mit und ohne Bedrohung einer Corona-Infizierung, für alle Betroffenen!

(Quelle: Martin G Müller Spektrum Dialyse)